Ehre und Verpflichtung - Potsdamer und Berliner Schlösserlandschaft steht seit 35 Jahren auf der Unesco-Liste des Weltkulturerbes

Das nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel erbaute Schloss Glienicke und der Landschaftspark an der Havel und viele andere Hinterlassenschaften der Hohenzollern profitieren vom „UNESCO-Adel“ und wurden in den vergangenen Jahren saniert und restauriert.

Die Schlösser und Parks von Potsdam - hier ein Blick von der Großem Fontäne und ihrem Figurenschmuck zum Schloss Sanssouci - und Berlin spielen mit ihrem UNESCO-Status in der gleichen Liga wie die Pyramiden von Gizeh, die Schlösser von Versailles oder die Chinesische Mauer.

Die von DDR-Grenzsoldaten demolierte und geschändete Heilandskirche in Sacrow erlebte nach dem Fall der Mauer 1989 ihre Wiedergeburt.

Da die aus Holzbauten bestehende Russische Kolonie Alexandrowka aus dem frühen 19. Jahrhundert zum Welterbe zählt, sind hier Veränderungen und Zutaten nicht erlaubt. Die Bewohner nehmen das gelassen hin.

Manche Bauten im Park Sanssouci wurden aus dem Dornröschenschlaf geweckt und entwickelten sich zu touristischen Zielpunkten. Zu nennen wäre die in den 1990er Jahren mit Hilfe der Münchner Messerschmitt-Stiftung wieder aufgebaute Ruine des Belvederes.

Mit einem großen Kraftakt wurde vor einigen Jahren die von Friedrich II., dem Großen, in Auftrag gegebene Siegeskolonnade hinter dem Neuen Palais rekonstruiert und restauriert. Mit dem überdimensionalen Neuen Palais und der imposanten Säulenhalle am Ende des Parks von Sanssouci führte der König von Preußen nach dem siegreich beendeten Siebenjährigen Krieg (1756-1763) der Welt die neu gewonnene Macht seiner Monarchie vor Augen.
Fotos: Caspar
Seit 35 Jahren stehen die Schlösser und Gärten von Potsdam und Berlin auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Der Eintrag war am 29. September 1989 noch von der DDR Regierung beantragt worden, die Bundesrepublik Deutschland schlug am 14. Juni 1990 vor, die Schloss- und Gartenanlagen in Glienicke sowie die Pfaueninsel im damaligen West-Berlin ebenfalls zu berücksichtigen. So nahm das Welterbekomitee der UNESCO am 12. Dezember 1990, zwei Monate nach der deutschen Wiedervereinigung, die Schlösser und Gärten von Potsdam und Berlin unter der Nummer 532 C in die Liste auf. Der Eintrag ist ehrenvoller Auftrag und Verpflichtung, mit dem in über 300 Jahren gewachsenen Schatz an Bau-und Kunstwerken sowie Gärten und Parks äußerst pfleglich umzugehen und ihn sorgsam auszubauen. Die Zugehörigkeit weiter Teile von Potsdam zum Weltkulturerbe bestimmt die besonderen Lebensqualität in der Stadt an der Havel. Leider sind Figuren und Bauten immer wieder Anschlägen von Kunstbanausen und Vandalen ausgesetzt. Zunehmend schwierig wirken sich trockne und heiße Sommermonate auf die Vegetation aus. Deshalb werden Blumen, Bäume und Sträucher, wo es geht, gegen hitzeresistente Gewächse ausgetauscht.
Bedeutendes Wiederaufbauwerk
Die Auszeichnung der Weltorganisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur von 1990 markierte den Beginn eines bedeutenden Wiederaufbauwerks, denn durch den Kalten Krieg und und die nach dem Mauerbau von 1961 von der DDR angelegte Grenzbefestigung waren Teile der preußischen Kulturlandschaft etwa in Sacrow, Babelsberg und im Potsdamer Neuen Garten schwer beschädigt und lange Zeit unzugänglich. In den 1990er Jahren begann die Schlösserstiftung mit der Sanierung und Restaurierung der Bauwerke, aber auch von Wegen, Flächen und historischen Strukturen. Schritt für Schritt wuchs zusammen, was zusammen gehört. „Heute präsentiert sich die Potsdam-Berliner Kulturlandschaft wieder als geschlossenes Ensemble. Mit über 2000 Hektar zählt sie zu den größten und schönsten Weltkulturerbestätten in Deutschland“, sagt Christoph Martin Vogtherr, der Generaldirektor der Schlösserstiftung.
In den vergangenen 35 Jahren wurde die Welterbestätte zweimal erweitert. 1992 kamen Schloss und Park Sacrow mit der in „Mauerzeiten“ demolierten und danach restaurierte Heilandskirche hinzu. 1999 folgten die Lindenallee westlich des Neuen Palais in Potsdam, die ehemalige Gärtnerlehranstalt sowie der aus der Zeit von Wilhelm II. stammende Kaiserbahnhof, ferner Schloss und Park Lindstedt, das ehemalige Gut Bornstedt mit Kirche und Friedhof, der Voltaireweg zwischen Park Sanssouci und dem Neuem Garten. Aufgenommen in die Liste wurden auch die Allee nach Sanssouci als historischer Parkeingang, die Russische Kolonie Alexandrowka, das in DDR-Zeiten wegen der Grenznähe unzugängliche Belvedere auf dem Pfingstberg und weitete Bauten und Gärten.
Aufmerksamkeit und Pflege
Wer die Situation vor und nach 1990 vergleicht, wird unschwer feststellen, dass sich in der Potsdamer und Berliner Schlösserlandschaft viel getan hat. Um das Schloss Sanssouci, das Neue Palais, die Schlösser Charlottenhof und Cecilienhof und andere prominente Bauten stand es nie schlecht, und das nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaute Schloss Charlottenburg in Berlin (West) erfreute sich ebenfalls öffentlicher Aufmerksamkeit und liebevoller Pflege. Da aber diese Bauten bis 280 Jahre auf dem „Buckel“ haben, sind sie permanente Pflegefälle. Da originalen Marmorfiguren rund um die Große Fontäne unterhalb von Schloss n und der Skulpturenschmuck am Neuen Palais sind so angegriffen, dass man sie durch Kopien ersetzten musste, und auch überall im Park stehende Skulpturen sind sehr gute Nachbildungen aus unseren Tagen.
Ohne die finanzielle Unterstützung der Länder, Brandenburg und Berlin sowie des Bundes und der Hilfe von privaten Stiftungen und Spenden zahlreicher Kunst- und Geschichtsfreunde wäre die Rettung und Pflege der Bauten und Gartenanlagen nicht möglich gewesen. „Damit das weiter so bleibt, gewinnt die kontinuierliche Pflege und Erhaltung des erreichten Zustands zunehmend an Bedeutung“, sagt Christoph Martin Vogtherr. „Welterbestätten sind Wahrzeichen, die für eine Stadt, eine Region, ein Land, eine Kultur und einen Naturraum stehen. Wir müssen Lösungen finden, um Schäden durch fahrlässige und mutwillige Zerstörung zu verhindern und die Auswirkung des Klimawandels einzudämmen, der die Parks massiv bedroht. Der Schutz des Welterbes ist und bleibt also eine Herausforderung, aber eine überaus reizvolle Aufgabe für uns alle.“
9. Februar 2026